Entscheidungen begleiten mit dem Tetralemma

Inhalt

  1. Warum Klient:innen oft in „entweder-oder“-Mustern feststecken
  2. Die Methode – Was ist das Tetralemma?
    • Wie läuft die Methode konkret ab? 
    • Für wen eignet sich diese Methode?
  3. Erfahrungen aus der Beratungspraxis
  4. Warum das Tetralemma für LSB und Coaches wertvoll ist

1. Warum Klient:innen oft in „entweder-oder“-Mustern feststecken 

In der Beratung erleben wir es oft: Klient:innen stehen vor einer Entscheidung und fühlen sich, als gäbe es nur zwei Möglichkeiten. „Entweder ich kündige oder ich halte alles aus.“ „Entweder ich bleibe oder ich gehe.“ Solche Entweder-oder-Muster engen ein und verstärken das Gefühl von Ausweglosigkeit. 

Im systemischen Ansatz gilt: Klient:innen sind Expert:innen für sich selbst, sie tragen die Lösung bereits in sich. Unsere Aufgabe als Berater:innen ist es, Räume zu öffnen, in denen neue Möglichkeiten sichtbar werden. Genau hier setzt das Tetralemma an, eine Methode aus den systemischen Strukturaufstellungen, entwickelt von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer.  

2. Die Methode – Was ist das Tetralemma? 

Das Tetralemma ist so simpel wie genial! Es erweitert die Möglichkeiten und Entscheidungsräume oft sehr schnell, indem es vier verschiedene Positionen anbietet: 

  1. Das Eine 
  2. Das Andere 
  3. Beides 
  4. Keines von Beidem 
    • Etwas ganz Anderes 

Diese einfache, aber kraftvolle Struktur hilft Klient:innen, über das klassische Schwarz-Weiß-Denken hinauszugehen. Sie spüren, dass es nicht nur zwei Wege gibt, sondern auch Kombinationen, Alternativen oder völlig neue Ansätze

Wie läuft die Methode konkret ab?

Das Tetralemma wird als Strukturaufstellung umgesetzt. Zuerst werden die beiden Positionen „Das Eine“ und „Das Andere“ im Raum markiert. Meist wird das mit Kärtchen gemacht, aber es können auch Symbole verwendet werden. Nachdem beide Positionen Gefühlt und näher hinterfragt wurden kommen nach und nach die anderen Positionen dazu und so erweitern sich die Möglichkeiten immer mehr.

Die Klient:innen selbst definieren dabei, was „das Eine“, „das Andere“ sowie die anderen Positionen für sie konkret bedeuten. Auch „Unmögliches“ darf hier erst einmal mit hinein – hier soll Platz für Kreativität und Vision sein, ein Spielen mit Möglichkeiten, Optionen und Gedanken. 

Wir stellen außerdem zu jeder Position gezielte Fragen und verwenden dabei auch Elemente des Embodiment

  • Spürst du Leichtigkeit/Enge/Schwere? 
  • Wie fühlt sich diese Option körperlich an? 
  • Wie verändert sich dein Atem? 
  • Welche Mimik, welche Körperhaltung zeigen sich? 
  • Wir beobachten genau und fragen auch: Wo würdest du dich am liebsten wieder hinstellen? Wo weniger gern? Welche Position zieht dich an? 
  • Welche Konsequenzen hätten die jeweiligen Positionen für dich? 
  • Welche ganz neue Lösung taucht auf, wenn du den Blick noch weiter öffnest? 

Dieser körperliche Zugang macht den Unterschied. Klient:innen erleben nicht nur im Kopf, sondern auch im Körper, welche Wirkung die verschiedenen Möglichkeiten haben.  

Für wen eignet sich das Tetralemma? 

  • Für Klient:innen, die zwischen zwei Möglichkeiten feststecken 
  • Für Entscheidungssituationen, die als ausweglos erlebt werden 
  • Für Beratungen, in denen Denkblockaden gelockert werden sollen 
  • Für Settings, die Bewegung und Perspektivwechsel möglich machen 

Grenzen und Stolperfallen 

Das Tetralemma ist kein Allheilmittel! Wer mitten in einer akuten Krise steckt und dringend Stabilität braucht, ist für diese Methode noch nicht bereit. Sie funktioniert am besten, wenn schon etwas Offenheit für Lösungen vorhanden ist. 

Wichtig ist auch, die Erwartungshaltung realistisch zu halten: Das Tetralemma ist ein Startpunkt für neue Ideen, keine sofortige Garantie für eine endgültige Entscheidung, kein „Lösungsautomat“

3. Erfahrungen aus der Praxis 

In unseren Einheiten erleben wir beim Tetralemma oft überraschende Wendungen. Viele Klient:innen fühlen schon beim „Beides“ ein erstes Aufatmen: „Daran habe ich noch gar nicht gedacht.“ 

Besonders spannend ist die fünfte Position, das „ganz Andere“. Hier entstehen manchmal Ideen, die vorher völlig unvorstellbar waren. Eine Klientin, die dachte, sie müsse sich sofort zwischen zwei beruflichen Optionen entscheiden, entdeckte plötzlich: „Ich kann beide Wege klein beginnen und später schauen, welcher stärker wächst.“ 

Manchmal hilft das Tetralemma dabei, Druck zu nehmen. Plötzlich merken Klient:innen: Es gibt immer auch Wege außerhalb des gewohnten Rahmens. 

4. Warum das Tetralemma für LSB und Coaches wertvoll ist 

  • Klient:innen bleiben Expert:innen für sich selbst. 
  • Durch den Perspektivenwechsel im Raum werden neue Lösungen erfahrbar. 
  • Embodiment macht den Unterschied: Optionen werden nicht nur gedacht, sondern gespürt. 
  • Es erweitert Entscheidungsräume und fördert kreative Lösungsansätze. 

Genau darin liegt seine Kraft: Entscheidungen müssen nicht mehr zwischen „Ja“ und „Nein“ getroffen werden, sondern dürfen vielfältig und überraschend sein. 

Möchtest du systemische Methoden praktisch erleben?

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